Sonntag, 31. Januar 2016

Mallorca 2015


Ende September verbrachten Sebastian und ich zehn wundervolle Tage auf Mallorca. Wir haben uns über AirB&B eine kleine Finca in den Bergen gemietet.
Am Flughafen nahmen wir unseren Fiat Panda entgegen, ein sehr hässliches Auto, das uns aber später noch gute Dienste leisten sollte. Am vereinbarten Treffpunkt warteten wir auf Jaume, einen Freund unseres Vermieters, der zwar mit einer Stunde Verspätung, dafür aber mit einem Dolmetscher kam und uns zu verstehen gab, wie wir das Haus erreichen würden. Er wies auf einen Weg, den wir höchstens als Trampelpfad für Schafe oder Ziegen wahrgenommen haben und fuhr mit seinem Jeep voraus. Sebastian gab sich alle Mühe, aber ungefähr auf der Hälfte mussten wir kapitulieren, da unser Auto nicht für die sandigen Wege geeignet ware, die von den kräftigen Wurzeln der nahestehenden Olivenbäume aufgerissen waren. Wir luden unser Gepäck zu Jaume ins Auto und stiegen ein. Ich fand mich zwischen zwei dicken Spanierinnen wieder, die munter auf mich einredeten und sich nicht daran zu stören schienen, dass ich sie nicht verstehen konnte und außerdem fasziniert nach Draussen schaute, wo Olivenhaine an uns vorbeizogen. 
Oben angekommen zeigte uns Jaume das Haus und stellte uns unseren Mitbewohnern vor. Wir teilten uns mit ihnen eine Küche, sowie das Wohnzimmer und den Aussenbereich, zu dem ein in die Felsen gehauener Pool gehörte. Wir bewohnten den oberen Teil des Hauses, wo wir unsere unsere Sachen auspackten. Kaum roch ich die frisch gewaschene Wäsche, die mich an zu Hause erinnerte, erfasste mich mein übliches Urlaubstief am Anfang einer Reise. Ich war übermüdet und hungrig, hatte nicht damit gerechnet, dass wir uns das Haus mit anderen Leuten teilen würden und fühlte mich auf einmal schrecklich alleine und verloren in einem Land, dessen Sprache ich nicht sprach. Ich bat Sebastian, so schnell wie möglich nach Sollér, die nächste Stadt zu fahren, um Lebensmittel zu besorgen und mich ablenken zu können. Meine Hoffnung war, dass er mein Tief nicht bemerken würde, denn es war mir peinlich, ich wollte fröhlich und neugierig sein anstatt traurig und voller Angst. Wir fuhren den kurvigen Weg zurück ins Tal, im Dorf angekommen erfassten mich allerdings starker Schwindel und Übelkeit und noch im Auto konnte ich nicht mehr zurückhalten und schüttete Sebastian mein Herz aus. Seine verständnisvolle Reaktion und seine Umarmung brachten alle Dämme zum Brechen und so saß ich eine gute Weile weinend und schniefend im Auto und schämte mich nicht einmal, als einige Passanten fragend einen Blick durch die Scheibe warfen. Nachdem ich einigermaßen wiederhergestellt und meine Tränen weggeküsst waren, fanden wir tatsächlich einen kleinen Supermarkt, wo ich meine erste Mahlzeit des Tages, einen trockenen Keks, bekam. Ich glaube, ich habe noch nie so etwas Leckeres gegessen und spürte die Lebensgeister in mich zurückkehren. Nun nahm ich auch meine Umgebung wahr, ein charmantes altes Dorf mit engen Gassen und Platanen, die die Strassen säumten. Wir fanden den Marktplatz und kamen unterwegs an einem Restaurant vorbei, das wir uns gleich für den Abend vormerkten.
Es handelte sich um ein Tapas-Restaurant und der spanische Kellner schien sehr glücklich darüber, dass er seine Deutschkenntnisse unter Beweis stellen konnte. Er erzählte uns, dass er nur seiner Freundin wegen Deutsch lernte und erklärte uns den Ablauf im Restaurant: Es gab Tapas und Pintxos, kleine Gerichte zum alleine essen oder Teilen. Im Gastraum stand ein Buffet und jede Speise hatte einen farbigen Holzspieß, der den Preis anzeigt. Außerdem war es möglich a la Carte zu bestellen und spezielle Wünsche zu äußern, wie zum Beispiel fleischlose Gerichte. Wir hatten Schwierigkeiten, uns für zwischen all den Angeboten zu entscheiden und bestellten nach Lust und Laune alles, was uns anlachte. Die Gerichte wurden nach und nach gebracht und wir schwelgten in einem kulinarischen Himmel aus frischem Gemüse, Soßen, gutem Käse und frischem Brot. Als der anfängliche Hunger gestillt war, kamen wir mit einem Pärchen ins Gespräch, das am Nebentisch saß und unterhielten uns bis spät in die Nacht hinein. Als wir im Auto saßen, fielen uns beiden schon fast die Augen zu und wir freuten uns nur auf unser Bett. Doch dann fiel uns ein, dass wir uns den Schleichweg hoch zum Haus nicht besonders gut eingeprägt hatten. Mit Handytaschenlampe bewaffnet machten wir uns an den Aufstieg und hofften einfach, dass die Viehtränken, an denen wir vorbeikamen, auch die richtigen waren. Wir stiegen den gerölligen Weg hinauf und kamen bald ins Schwitzen. Nach einer Weile allerdings wurde uns mulmig, wir waren schon viel zu weit gelaufen und das Haus war noch immer nicht in Sicht. Die knorrigen Äste der Olivenbäume erinnerten mich auf einmal an die Arme alter Weiber, die nach uns griffen und ich hatte Schwierigkeiten, mit meinen hohen Schuhen nicht permanent aus dem Gleichgewicht zu kommen. Es knackte in der Ferne und mir wurde auf einmal unangenehm bewusst, wie weit wir vom Dorf entfernt waren. Wir fingen an zu diskutieren und verliefen uns immer weiter im Dickicht, bis wir so verzweifelt waren, dass wir den Weg wieder hinuntergingen, um die Straße zu nehmen, die wir hochgefahren wurden. Unten angekommen waren wir uns allerdings nicht mal mehr sicher, ob das die einzige Straße war und uns verließ auf einmal der Mut. Sebastian schlug vor, die Nacht im Auto zu verbringen und mir war mittlerweile alles recht, solange ich aus diesem Olivenhain hinauskam. Wir machten es uns in unserem Panda bequem und versuchten, die Augen ein wenig zuzumachen, als uns ein lauter Schlag aus dem Dämmerschlaf riss. Ich hatte kurz zuvor eine brutale Vampirserie angesehen und verspürte einfach nur blanke Panik, als mich die schrecklichen Szenen einholten. Wie gelähmt saßen wir einfach nur da und warteten darauf, dass etwas passierte, nachdem die Sekunden allerdings ins Land strichen, entschieden wir uns zum Angriff und rissen die Türen auf. Außer ein paar Schafen gegenüber von der Straße war dort niemand, aber wir bemerkten, dass das Auto direkt unter einem Olivenbaum geparkt war. In diesem Moment waren wir einfach zu erschöpft, um darüber lachen zu können, dass uns eine auf das Dach gefallene Olive zu Tode erschreckt hatte, aber später sorgte das noch für einige Belustigung.
Weil es uns in den Bergen einfach zu unheimlich und Dunkel war, verbrachten wir den Rest der Nacht unten im Dorf und schlugen uns die Stunden irgendwie um die Ohren. Es wurde kalt und Sebastian versuchte, mich zu wärmen. Wir dösten abwechselnd auf der Rückbank und warteten auf die Dämmerung.
Gegen sieben Uhr morgens wurde es endlich etwas heller und um halb acht machten wir uns im blassen Morgenlicht wieder auf den Weg durch den Olivenhain. Diesmal fanden wir den Weg ohne Probleme, schlichen um das Haus herum, um unsere Mitbewohner nicht zu wecken und fielen in einen langen und tiefen Schlaf bis spät in den Tag hinein.

Die nächsten Tage verschwammen ineinander, wir bekamen neue Mitbewohner aus Stuttgart und gewöhnten uns allmählich an das Leben in den Bergen. Es war unglaublich ruhig dort oben und wir verbrachten viele Stunden lesend in der Sonne oder sahen einfach nur hinaus aufs Meer und hinunter ins Tal. Wir machten uns auf die Suche nach dem Esel, der angeblich beim Haus lebte, fanden aber nur neugierige Schafe, die unglaublich verrückt nach der Johanniskernfrucht waren, die dort wild wuchs. An einem warmen Nachmittag kamen die Esel des Nachbarn bis an den Zaun zu unserem Grundstück und wir fütterten sie mit den süßen Schoten und streichelten sie so lange, bis unsere Hände voller Staub waren.

Am liebsten fuhren wir am späten Nachmittag hinunter nach Soller, um neue Wasservorräte und Müsli zu kaufen und anschließend durch den Ort zu schlendern. Die Gassen waren eng und gesäumt von Läden, die die verschiedensten Köstlichkeiten anboten und wir genossen die vielen Gelegenheiten, zu fotografieren. Später setzten wir uns mit einem Eis an den Marktplatz und sahen den einheimischen Kindern beim Spielen zu, die sich gegenseitig mit Plastikkreiseln beeindruckten und mit Rollern über den Platz fuhren. Es war ein buntes Gewimmel und eine Freude, einfach nur still dabei zuzusehen.
Sonntags war Markttag und wir standen früh auf, um unsere Einkäufe im Ort zu erledigen. Wir erkannten ihn kaum wieder, die engen Straßen waren mit Ständen gesäumt und es wurden die unterschiedlichsten Waren verkauft. Sebastian erstand ein 10kg schweres Stück Schinken und ich deckte uns mit frischem Obst, Brot und Käse ein. Zurück in unserer Finca machten wir es uns auf der Terrasse bequem und breiteten unsere Einkäufe auf dem Tisch aus. Ich genoss den herben Geschmack von frischem Ziegenkäse, der sich mit dem süßen Saft von Weintrauben vermischte, sobald diese auf der Zunge zerplatzten. Unser Vermieter hatte darum gebeten, kein Fleisch in seinem Haus zu verzehren, was mir sehr gelegen kam und Sebastian dank unserer üppigen Brotzeit auch nicht einschränkte.

Wir fuhren nach Palma, um uns die Stadt anzusehen, allerdings waren wir so an die Stille und die Einsamkeit gewöhnt, dass uns die vielen Menschen und die Schnellebigkeit überforderte. Wirklich Ruhe fand ich nur in einer Kirche, in der wir während eines Platzregens Zuflucht gesucht hatten.

Der Regen hielt weiterhin an und wir verbrachten die letzten Tage fast ausschließlich im Haus, da es sehr kalt und ungemütlich wurde. Das und unsere neuen Mitbewohner, zwei sehr seltsame ältere Österreicherinnen, machten uns den Abschied zum Glück nicht all zu schwer.



Ein Freund unseres Vermieters und andere Männer aus dem Dorf beim Boule

Die untere Terrasse unserer Finca

Der besser befestigte Teil unseres Schleichwegs nach Oben 



Das bunte Treiben auf dem Markplatz 






Die Bahn in Port de Soller

Sebastian und die Esel von unserem Nachbarn


Marktsonntag in Soller

Sebastian beim Frühstück

Das verregnete Palma


Der Blick ins Tal bei Regen
















Kommentare:

  1. Wundervoller Post. Dein Text passt wunderbar zu den Fotos! Ich liebe Mallorcas Bergregion und Soller ist wirklich total schön, da war ich auch schon öfter:) Man kann in der Region auch super wandern gehen, kleiner Tipp fürs vielleicht nächste Mal? Hab da auch mal was zu gepostet: http://bymaybrit.blogspot.de/2016/01/mallorca-hikewalk-serra-de-tramuntana.html
    Die Finca wo ihr untergekommen sieht auf den Bildern auch toll aus.
    Liebe Grüße,
    Maybrit

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  2. Oh ich mag deine Urlaubsbilder so sehr! Hatte Mallorca so gar nicht auf'm Schirm - aber die Bergregion ist ja total schön! Danke dafür :)

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  3. Such colour, such beauty.... keep it up!!!! I love it!

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  4. Super und absolut echt!! Mal wieder ganz zauberhafte, natürliche Eindrücke!!

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  5. Toller 'Reisebericht' und sehr schöne Urlaubsfotos!
    Die Natur soll ja wirklich wunderbar sein auf Mallorca..

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  6. oh gott wie schön .<3 ganz ganz schöne eindrücke!
    alles liebe. Monika

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