Sonntag, 4. September 2016

Die Carneddau-Ponies


Wer mir auf Instagram oder Facebook folgt, könnte gemerkt haben, dass Pferde inzwischen einen großen Teil meines Lebens einnehmen. Vor ca. einem Jahr begann ich wieder damit, regelmäßig Reitstunden zu nehmen und habe inzwischen eine Reitbeteiligung auf zwei bezaubernden Haflingern. Auch fotografisch spielen diese wunderbaren Tiere für mich eine immer größere Rolle. Deshalb war es für mich auch keine Frage, dass ich während meines zehntägigen Wales-Urlabes einen Abstecher in die Carneddau-Berge im Nationalpark Snowdonia machen musste. Denn dort leben halbwilde Pferde, die ich unbedingt sehen und fotografieren wollte.
Wir hatten viel Glück, denn der Tag war stürmisch und die Pferde fanden sich hauptsächlich in einer Senke zusammen, wo sie vor dem schneidenden Wind geschützt waren. Mit Erleichterung stellte ich fest, dass viele der Stuten hoch tragend waren und sich einige Fohlen unterschiedlichen Alters in der Herde befanden. Im Winter 2013 war der Bestand aufgrund heftiger Schneefälle nämlich drastisch dezimiert worden. Umso mehr freute es mich, so viel Leben zu beobachten.
Es war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis, mit dieser Wildheit konfrontiert zu werden. Die Fohlen waren sehr neugierig, die älteren Tiere haben allerdings immer darauf geachtet, dass gebührend Abstand zu uns eingehalten wird. Sie schienen allerdings zu spüren, dass wir keine Gefahr für sie darstellten, denn sie gingen vor unseren Augen dem ganz normalen Herdenalltag nach.

















Samstag, 28. Mai 2016

I'm an introvert, not an asshole - Was es bedeutet, ein introvertierter Mensch zu sein



Ich bin introvertiert! Alle, die sich mit diesem Thema bereits auseinandergesetzt haben, werden jetzt mit den Augen rollen und sich denken „ach, sag bloß!“. Auch ich war eigentlich immer der Meinung, dass jeder über die beiden Persönlichkeitsmerkmale Introversion und Extraversion Bescheid weiß. In der letzten Zeit habe ich mich allerdings ab und zu in die Ecke gedrängt gefühlt und begonnen, mich zu rechtfertigen. Und damit ich in Zukunft nicht mehr mit Leuten darüber reden muss (huraa!), habe ich mir gedacht, dass ich mal alles aufschreibe, was mir zu dem Thema einfällt.
Ich hoffe zwar, dass ich damit nicht nur für mich, sondern auch für andere Introvertierte spreche, allerdings erhebe ich darauf natürlich keinen Anspruch. Also an alle, die zu dem Thema etwas zu sagen habt: Erhebt euch! Vereint euch in den Kommentaren! Jeder für sich... von zu hause aus...

Was bedeutet introvertiert und was bedeutet extrovertiert?

Das ist eigentlich ganz leicht zu beantworten. Wer extrovertiert ist, zieht Energie aus Unternehmungen mit und der Gesellschaft von anderen Menschen. Lange Zeit alleine dagegen laugt ihn aus.
Bei introvertierten Persönlichkeiten ist es genau anders herum: Ich empfinde es als anstrengend, mit anderen Menschen zusammen zu sein (was nicht heißt, dass ich es nicht genießen kann) und lade meine Akkus am liebsten zu Hause wieder auf, wenn ich alleine bin.


Was bedeutet introvertiert sein NICHT?

Introversion ist nicht gleichzusetzen mit Schüchternheit. Introvertierte Menschen haben nur kein Interesse an Smalltalk und sind gerne für sich, weshalb sie sich nicht immer gerne unterhalten möchten. Wer introvertiert ist, ist auch nicht einsam, deprimiert, oder sozial inkompetent. Was für einen extrovertierten Menschen aussehen kann, wie eine richtig traurige Angelegenheit, kann für einen introvertiertenvertierten Menschen Normalität, Erholung und Zufriedenheit bedeuten.
Es bedeutet auch nicht, dass man, nur weil man introvertiert ist, keine sozialen Kontakte braucht. Ein introvertierter Mensch kann sich genauso einsam fühlen wie ein extrovertierter. Jeder braucht Ansprechpartner, Vertraute und Freunde.

Was macht introvertierte Persönlichkeiten aus?

Wir mögen wie erwähnt keinen Smalltalk, was aber nicht bedeutet, dass wir uns nicht gerne unterhalten. Wir lassen das allgemeine Geplänkel nur gerne weg und widmen uns interessanteren Themen. In unserer Allein-Zeit beschäftigen wir uns mit unzähligen Dingen: wir lesen gerne, denken viel, beschäftigen uns mit Tieren, hören Musik, sind kreativ und gerne in der Natur unterwegs. Und darüber unterhalten wir uns auch liebend gerne. Wenn eine Gruppe aus weniger als ca. 5 Leuten besteht und wir sie gut kennen und mögen, können wir richtig aufblühen, Witze machen, laut lachen und die Zeit sehr genießen. Trotzdem brauchen wir irgendwann wieder Zeit für uns, weshalb wir immer froh sind, wenn sich die Gruppe irgendwann auflöst und jeder wieder seinen eigenen Gedanken nachhängen kann.
Wir mögen keine direkten Konfrontationen und gehen Konflikten deshalb gerne aus dem Weg. Wir klären Dinge lieber in 643 Whatsapp-Nachrichten, als einen kurzen Anruf zu tätigen. Und wenn wir nicht dauernd das Gefühl vermittelt bekommen würden, dass das alles nicht okay ist, würden wir uns sogar sehr wohl fühlen.

Wie geht man als Extrovertierter mit einem introvertierten Menschen um?

  • Als aller erstes: Nimm es nicht persönlich, wenn er keine Zeit hat. Meistens ist das seine höfliche Art, dir zu vermitteln, dass er Allein-Zeit braucht und ihm soziale Aktivitäten zu anstrengend sind. Respektiere das und sieh es positiv: Nur so kann er auf Dauer gesund bleiben und mit seinen Kräften haushalten.
  • Schraube einen Gang runter. Er braucht Zeit zum Nachdenken und alle Sinneseindrücke zu verarbeiten. Wenn er nicht sofort antwortet, denkt er wahrscheinlich nach und es tut ihm auch gut, wenn du einfach mal kurz schweigst und dich nicht zu sehr auf ihn fokussierst.
  • Höre ihm gut zu, wenn er spricht, denn er hat sich alles, was er sagt, vorher gut überlegt. Lasse Fragen wie „Wie geht es dir“ oder „Was hast du so gemacht?“ besser weg. Es sei denn, es interessiert dich wirklich, aber auch dann ist es besser, etwas zu fragen wie: „Ich habe gehört, dass du... wie geht es dir damit?“ oder „Hast du den Film xy schon gesehen?“.
  • Wenn irgendwie möglich, sieh zu, dass Tiere in der Nähe sind. Er wird sich sehr freuen, wenn er nebenbei einen Hund streicheln und sich mit ihm beschäftigen kann. Das läd die Akkus wieder auf.
  • Es ist generell gut, wenn man nebenbei etwas macht, damit er sich nicht zu beobachtet fühlt. Im Freien, zum Beispiel bei einem Spaziergang im Wald, kann er sich noch auf andere Dinge konzentrieren.
  • Er mag es sicherlich, in deiner Nähe zu sein, nur kann sein Fokus nicht dauerhaft auf dir liegen. Wenn ihr also zusammen zum Lernen in die Bibliothek geht oder nebeneinander ein Buch lest, strengt ihn das nicht allzu sehr an.
  • Akzeptiere es, wenn er sich langsam verabschieden möchte. Es fällt ihm sowieso schwer, das Treffen zu beenden, weil er niemanden verletzen möchte. Deshalb machst du es ihm nur sehr unangenehm, wenn du deine Enttäuschung offen zeigst. Wenn du wirklich noch ein paar Minuten mit ihm haben möchtest, schlage Dinge vor wie: „Wie wäre es, wenn wir uns noch ein Eis holen und uns danach verabschieden?“ oder „In fünfzehn Minuten geht sowieso mein Bus, bis dahin können wir ja noch zusammen bleiben“.

Hat es auch Vorteile, introvertiert zu sein?

Ich persönlich bin kein Fan davon, eine der beiden Persönlichkeitsmerkmale zu glorifizieren, wie das in der letzten Zeit bei der Introversion oft der Fall ist (man gebe das nur mal bei Imgur oder Reddit ein). Trotzdem hat es natürlich auch Vorteile, mit einem introvertierten Menschen befreundet zu sein. Es handelt sich dabei häufig um sehr loyale Menschen, die ein Freund fürs Leben sind. Sie sind sehr verständnisvoll, hören aufmerksam zu, machen sich viele Gedanken und sind oft mit wenigen Dingen zufrieden zu stellen.
Da introvertierte Menschen gerne in Gedanken versinken, lernen sie gerne und können sich gut auf Dinge konzentrieren und fokussieren. Sie verlieren nicht schnell das Interesse und haben eine unerschöpfliche Fantasie. Es ist eigentlich egal, ob man nun introvertiert, oder extrovertiert ist, man kann es sowieso nicht ändern. Aber es ist natürlich immer gut, sich auf die Vorteile zu konzentrieren und nicht auf die augenscheinlichen Nachteile. 


Auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie viele Leser dieser Text tatsächlich erreichen wird, ich bin froh um jeden einzelnen. Denn es ist wichtig, dass introvertierte Menschen nicht als antisoziale Idioten wahrgenommen werden und nicht jeder ist sich darüber im Klaren, was es bedeutet, introvertiert zu sein oder mit einem introvertierten Menschen zusammen zu leben. Dabei kann ich nur jedem den Tipp geben, in dieser lauten Welt auch mal den Leisen zuzuhören. Wenn man sich die Zeit nimmt, haben wir nämlich ganz schön viel zu sagen.


Donnerstag, 21. April 2016

Perlmutt











Es war schon lange geplant und jetzt konnte ich es endlich umsetzen: Pferdefotos! Ich bin ein absolutes Pferdemädchen und ein großer Fan der Fotografin Alexandra Evang und deshalb war es ein großer Traum von mir, mal mit einem Pferd zu fotografieren. Wenn alles gut läuft, wird das in Zukunft sogar öfter passieren. 
Lara und ihre tschechische Warmblutstute Agama habe ich über Facebook kennengelernt und mich an einem Montagnachmittag auf den Weg zu den beiden gemacht. Wir hatten super viel Glück mit Licht und Wetter und ich bin sehr zufrieden mit den Fotos. Ich hoffe, euch gefallen sie auch. 






Sonntag, 31. Januar 2016

Mallorca 2015


Ende September verbrachten Sebastian und ich zehn wundervolle Tage auf Mallorca. Wir haben uns über AirB&B eine kleine Finca in den Bergen gemietet.
Am Flughafen nahmen wir unseren Fiat Panda entgegen, ein sehr hässliches Auto, das uns aber später noch gute Dienste leisten sollte. Am vereinbarten Treffpunkt warteten wir auf Jaume, einen Freund unseres Vermieters, der zwar mit einer Stunde Verspätung, dafür aber mit einem Dolmetscher kam und uns zu verstehen gab, wie wir das Haus erreichen würden. Er wies auf einen Weg, den wir höchstens als Trampelpfad für Schafe oder Ziegen wahrgenommen haben und fuhr mit seinem Jeep voraus. Sebastian gab sich alle Mühe, aber ungefähr auf der Hälfte mussten wir kapitulieren, da unser Auto nicht für die sandigen Wege geeignet ware, die von den kräftigen Wurzeln der nahestehenden Olivenbäume aufgerissen waren. Wir luden unser Gepäck zu Jaume ins Auto und stiegen ein. Ich fand mich zwischen zwei dicken Spanierinnen wieder, die munter auf mich einredeten und sich nicht daran zu stören schienen, dass ich sie nicht verstehen konnte und außerdem fasziniert nach Draussen schaute, wo Olivenhaine an uns vorbeizogen. 
Oben angekommen zeigte uns Jaume das Haus und stellte uns unseren Mitbewohnern vor. Wir teilten uns mit ihnen eine Küche, sowie das Wohnzimmer und den Aussenbereich, zu dem ein in die Felsen gehauener Pool gehörte. Wir bewohnten den oberen Teil des Hauses, wo wir unsere unsere Sachen auspackten. Kaum roch ich die frisch gewaschene Wäsche, die mich an zu Hause erinnerte, erfasste mich mein übliches Urlaubstief am Anfang einer Reise. Ich war übermüdet und hungrig, hatte nicht damit gerechnet, dass wir uns das Haus mit anderen Leuten teilen würden und fühlte mich auf einmal schrecklich alleine und verloren in einem Land, dessen Sprache ich nicht sprach. Ich bat Sebastian, so schnell wie möglich nach Sollér, die nächste Stadt zu fahren, um Lebensmittel zu besorgen und mich ablenken zu können. Meine Hoffnung war, dass er mein Tief nicht bemerken würde, denn es war mir peinlich, ich wollte fröhlich und neugierig sein anstatt traurig und voller Angst. Wir fuhren den kurvigen Weg zurück ins Tal, im Dorf angekommen erfassten mich allerdings starker Schwindel und Übelkeit und noch im Auto konnte ich nicht mehr zurückhalten und schüttete Sebastian mein Herz aus. Seine verständnisvolle Reaktion und seine Umarmung brachten alle Dämme zum Brechen und so saß ich eine gute Weile weinend und schniefend im Auto und schämte mich nicht einmal, als einige Passanten fragend einen Blick durch die Scheibe warfen. Nachdem ich einigermaßen wiederhergestellt und meine Tränen weggeküsst waren, fanden wir tatsächlich einen kleinen Supermarkt, wo ich meine erste Mahlzeit des Tages, einen trockenen Keks, bekam. Ich glaube, ich habe noch nie so etwas Leckeres gegessen und spürte die Lebensgeister in mich zurückkehren. Nun nahm ich auch meine Umgebung wahr, ein charmantes altes Dorf mit engen Gassen und Platanen, die die Strassen säumten. Wir fanden den Marktplatz und kamen unterwegs an einem Restaurant vorbei, das wir uns gleich für den Abend vormerkten.
Es handelte sich um ein Tapas-Restaurant und der spanische Kellner schien sehr glücklich darüber, dass er seine Deutschkenntnisse unter Beweis stellen konnte. Er erzählte uns, dass er nur seiner Freundin wegen Deutsch lernte und erklärte uns den Ablauf im Restaurant: Es gab Tapas und Pintxos, kleine Gerichte zum alleine essen oder Teilen. Im Gastraum stand ein Buffet und jede Speise hatte einen farbigen Holzspieß, der den Preis anzeigt. Außerdem war es möglich a la Carte zu bestellen und spezielle Wünsche zu äußern, wie zum Beispiel fleischlose Gerichte. Wir hatten Schwierigkeiten, uns für zwischen all den Angeboten zu entscheiden und bestellten nach Lust und Laune alles, was uns anlachte. Die Gerichte wurden nach und nach gebracht und wir schwelgten in einem kulinarischen Himmel aus frischem Gemüse, Soßen, gutem Käse und frischem Brot. Als der anfängliche Hunger gestillt war, kamen wir mit einem Pärchen ins Gespräch, das am Nebentisch saß und unterhielten uns bis spät in die Nacht hinein. Als wir im Auto saßen, fielen uns beiden schon fast die Augen zu und wir freuten uns nur auf unser Bett. Doch dann fiel uns ein, dass wir uns den Schleichweg hoch zum Haus nicht besonders gut eingeprägt hatten. Mit Handytaschenlampe bewaffnet machten wir uns an den Aufstieg und hofften einfach, dass die Viehtränken, an denen wir vorbeikamen, auch die richtigen waren. Wir stiegen den gerölligen Weg hinauf und kamen bald ins Schwitzen. Nach einer Weile allerdings wurde uns mulmig, wir waren schon viel zu weit gelaufen und das Haus war noch immer nicht in Sicht. Die knorrigen Äste der Olivenbäume erinnerten mich auf einmal an die Arme alter Weiber, die nach uns griffen und ich hatte Schwierigkeiten, mit meinen hohen Schuhen nicht permanent aus dem Gleichgewicht zu kommen. Es knackte in der Ferne und mir wurde auf einmal unangenehm bewusst, wie weit wir vom Dorf entfernt waren. Wir fingen an zu diskutieren und verliefen uns immer weiter im Dickicht, bis wir so verzweifelt waren, dass wir den Weg wieder hinuntergingen, um die Straße zu nehmen, die wir hochgefahren wurden. Unten angekommen waren wir uns allerdings nicht mal mehr sicher, ob das die einzige Straße war und uns verließ auf einmal der Mut. Sebastian schlug vor, die Nacht im Auto zu verbringen und mir war mittlerweile alles recht, solange ich aus diesem Olivenhain hinauskam. Wir machten es uns in unserem Panda bequem und versuchten, die Augen ein wenig zuzumachen, als uns ein lauter Schlag aus dem Dämmerschlaf riss. Ich hatte kurz zuvor eine brutale Vampirserie angesehen und verspürte einfach nur blanke Panik, als mich die schrecklichen Szenen einholten. Wie gelähmt saßen wir einfach nur da und warteten darauf, dass etwas passierte, nachdem die Sekunden allerdings ins Land strichen, entschieden wir uns zum Angriff und rissen die Türen auf. Außer ein paar Schafen gegenüber von der Straße war dort niemand, aber wir bemerkten, dass das Auto direkt unter einem Olivenbaum geparkt war. In diesem Moment waren wir einfach zu erschöpft, um darüber lachen zu können, dass uns eine auf das Dach gefallene Olive zu Tode erschreckt hatte, aber später sorgte das noch für einige Belustigung.
Weil es uns in den Bergen einfach zu unheimlich und Dunkel war, verbrachten wir den Rest der Nacht unten im Dorf und schlugen uns die Stunden irgendwie um die Ohren. Es wurde kalt und Sebastian versuchte, mich zu wärmen. Wir dösten abwechselnd auf der Rückbank und warteten auf die Dämmerung.
Gegen sieben Uhr morgens wurde es endlich etwas heller und um halb acht machten wir uns im blassen Morgenlicht wieder auf den Weg durch den Olivenhain. Diesmal fanden wir den Weg ohne Probleme, schlichen um das Haus herum, um unsere Mitbewohner nicht zu wecken und fielen in einen langen und tiefen Schlaf bis spät in den Tag hinein.

Die nächsten Tage verschwammen ineinander, wir bekamen neue Mitbewohner aus Stuttgart und gewöhnten uns allmählich an das Leben in den Bergen. Es war unglaublich ruhig dort oben und wir verbrachten viele Stunden lesend in der Sonne oder sahen einfach nur hinaus aufs Meer und hinunter ins Tal. Wir machten uns auf die Suche nach dem Esel, der angeblich beim Haus lebte, fanden aber nur neugierige Schafe, die unglaublich verrückt nach der Johanniskernfrucht waren, die dort wild wuchs. An einem warmen Nachmittag kamen die Esel des Nachbarn bis an den Zaun zu unserem Grundstück und wir fütterten sie mit den süßen Schoten und streichelten sie so lange, bis unsere Hände voller Staub waren.

Am liebsten fuhren wir am späten Nachmittag hinunter nach Soller, um neue Wasservorräte und Müsli zu kaufen und anschließend durch den Ort zu schlendern. Die Gassen waren eng und gesäumt von Läden, die die verschiedensten Köstlichkeiten anboten und wir genossen die vielen Gelegenheiten, zu fotografieren. Später setzten wir uns mit einem Eis an den Marktplatz und sahen den einheimischen Kindern beim Spielen zu, die sich gegenseitig mit Plastikkreiseln beeindruckten und mit Rollern über den Platz fuhren. Es war ein buntes Gewimmel und eine Freude, einfach nur still dabei zuzusehen.
Sonntags war Markttag und wir standen früh auf, um unsere Einkäufe im Ort zu erledigen. Wir erkannten ihn kaum wieder, die engen Straßen waren mit Ständen gesäumt und es wurden die unterschiedlichsten Waren verkauft. Sebastian erstand ein 10kg schweres Stück Schinken und ich deckte uns mit frischem Obst, Brot und Käse ein. Zurück in unserer Finca machten wir es uns auf der Terrasse bequem und breiteten unsere Einkäufe auf dem Tisch aus. Ich genoss den herben Geschmack von frischem Ziegenkäse, der sich mit dem süßen Saft von Weintrauben vermischte, sobald diese auf der Zunge zerplatzten. Unser Vermieter hatte darum gebeten, kein Fleisch in seinem Haus zu verzehren, was mir sehr gelegen kam und Sebastian dank unserer üppigen Brotzeit auch nicht einschränkte.

Wir fuhren nach Palma, um uns die Stadt anzusehen, allerdings waren wir so an die Stille und die Einsamkeit gewöhnt, dass uns die vielen Menschen und die Schnellebigkeit überforderte. Wirklich Ruhe fand ich nur in einer Kirche, in der wir während eines Platzregens Zuflucht gesucht hatten.

Der Regen hielt weiterhin an und wir verbrachten die letzten Tage fast ausschließlich im Haus, da es sehr kalt und ungemütlich wurde. Das und unsere neuen Mitbewohner, zwei sehr seltsame ältere Österreicherinnen, machten uns den Abschied zum Glück nicht all zu schwer.



Ein Freund unseres Vermieters und andere Männer aus dem Dorf beim Boule

Die untere Terrasse unserer Finca

Der besser befestigte Teil unseres Schleichwegs nach Oben 



Das bunte Treiben auf dem Markplatz 






Die Bahn in Port de Soller

Sebastian und die Esel von unserem Nachbarn


Marktsonntag in Soller

Sebastian beim Frühstück

Das verregnete Palma


Der Blick ins Tal bei Regen